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| Wenn Ihr Euch auf der Ploenchit
Road, in Höhe der Ratchadamri Road unvermittelt
in einer süsslich riechenden Wolke wiederfinden solltet, ist
dies (ausnahmsweise) keine Folge des Strassenverkehrs und es wird
auch kein Hausmüll illegal verbrannt, sondern Ihr seid unmittelbar
an einer der verehrtesten Stellen von Bangkok -dem Erawan
Schrein- und der Rauch stammt von unzähligen Räucherstäbchen,
die hier geopfert wurden. |
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Mitte der fünfziger Jahre wurde
an dieser Stelle mit dem Bau des Erawan-Hotels begonnen.
( Dieses ist inzwischen schon wieder abgerissen und durch das Grand-Hyatt-Erawan-Hotel
ersetzt worden.)
Während der Bauarbeiten für das Erawan-Hotel
kam es zu einer Reihe von schweren Unglücksfällen und
schnell machte sich das Gerücht breit, die ansässigen
Ortsgeister seien gegen das Projekt und würden ihre Wut nun
an den Arbeitern auslassen.
Nachdem es zu ersten Streiks kam, diagnostizierte der, vom Management
herbei gerufene, Astrologe Admiral Luang Suwicharnpat,
dass die Geister tatsächlich erzürnt seien, weil während
des Baues einige Bäume gefällt worden waren, in denen
die Geister zu wohnen pflegten und ausserdem der Grundstein des
Hotels an der falschen Stellen niedergelegt worden war. Also entschloss
man sich, |
| den Geistern eine adäquate Alternative
zu bieten und beauftragte Jitr Pimkowit vom Fine Arts
Department mit der Errichtung des Erawan-Schreins,
der 1956 schliesslich feierlich eröffnet wurde.
In der Folge kam es zu keinerlei Unglücken und Verzögerungen
des Baus mehr. Der Erawan-Schrein ist also im Prinzip ein
Geisterhäuschen, allerdings ein sehr aufwendiges,
und er bietet ein gutes Beispiel dafür, wie stark der Geisterglaube
selbst im modernen Bangkok in den Thais noch verwurzelt
ist. Er ist auch kein buddhistisches Heiligtum, sondern dargestellt
wird der viergesichtige hinduistische Gott Brahma. |
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Der Name "Erawan-Schrein" bezieht
sich also auf das Hotel und nicht auf den Gott Erawan,
den Elefanten, der für Weisheit steht.
Gläubige erbitten an dieser Stelle Glück und äussern
Wünsche, mit dem Versprechen, bei Erfüllung zurück
zu kommen und ein grösseres Opfer zu bringen. Unter den Thais
kursieren massig Beispiele, von Leuten, die ihr Versprechen nicht
gehalten haben oder zu kleinlich waren und infolgedessen alles wieder
verloren haben.
Oftmals besteht das "Opfer" darin die Tänzerinnen
und das Orchester für einen Tanz zu bezahlen. Dieser dauert
unterschiedlich lange, je nachdem, wie gross das "Opfer"
war. |
Ich habe mal gelesen, dass die Tänzerinnen,
wenn sie "im Dienst" sind, automatisch zu Mitgliedern
der Königsfamilie werden. Ich weiss allerdings nicht, ob das
stimmt.
Auf jeden Fall soll der Job als Tänzerin und Musiker recht
einträglich sein, setzt allerdings eine gewisse Ausbildung
voraus.
Eine Menge Hotels und Shopping Center sind ebenfalls dazu übergegangen,
grosse und auch grössere Geisterhäuschen zu errichten,
doch keines hat den Stellenwert des Erawan-Schreines erreicht.
Autofahrer und Passanten, die diese Stelle passieren, verbeugen
sich oft in Richtung Schrein und falten die Hände zum Wai,
was westlichen Taxipassagieren mitunter den Angstschweiss auf die
Stirn treibt. |
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