TWO LONE SWORDSMEN : From the double gone chapel
Warp
Hey, die gibt es auch noch? Und wie! Andrew Weatherall und Keith Tenniswood (Radioactive Man) sind Produzenten, DJs, Labelbesitzer und Technoaktivisten der ersten Stunde. Beide ausgestattet mit enormen Plattensammlungen und einem musikalischen Horizont, der in unendliche Weiten reicht. Hier melden sie sich mit einem neuen Stu-dioalbum zurück und sprengen erneut die Erwartungen der Fange-meinde. Offensichtlich wollte vor allem Weatherall zurück zu seinen Wurzeln, die im Rockabilly, Punk und Dub der frühen Achtziger Jahre liegen. Nicht umsonst sieht Weatherall auf manchen Photos wie ein verschollenes Mitglied von Social Distortion aus. Vor allem wollte er sich von der Technik lösen und auch mal wieder "handgemachte" Musik machen, was nicht bedeutet, dass auf elektronische Spielereien verzich-
für tet wird. Aber laut Weatherall liegt der feine Unterschied eben darin, ob man die Maschinen nutzt, um Musik zu machen oder die Musik von Maschinen machen lässt. Also luden sie befreundete Musiker ein, Tenniswood schnappte sich Bass und Gitarren und Weatherall das Mikro. Herausgekommen ist eine feine Scheibe, die knietief in den frühen achtziger Jahren wurzelt, aber auch die Entwicklung der Technik seitdem nicht verschweigt. Das ganze pendelt zwischen den Polen Punk, New Wave , Dub und Elektrorock und erinnert mich persönlich an Cabaret Voltaire, Bauhaus, Killing Joke und frühe PIL. Alles grösstenteils recht düster und kalt, so wie man es halt Anfang der Achtziger liebte. Trotzdem enthalten alle Songs immer auch warme Momente. Weatheralls Stimme, die irgendwo zwischen Ian Curtis, Fad Gadget und dem Sänger der S-Haters ( Achtung : namedropping !!! ) liegt. Mit dem genial rockenden "Sex Beat" findet sich auch ein Gun Club-Cover auf der Scheibe und dieses Stück wäre früher im Zwischenfall sicherlich in Dauerrotation gelaufen. Überhaupt wäre "From the double ..." vor zwanzig Jahren ein absoluter Klassiker geworden. Dass sie auch heute noch frisch klingt und schwer nach vorne losgeht, liegt daran, dass . Weatherall und Tenniswood halt ihr Metier verstehen und man sollte die Platte vor allem als Verbeugung vor den alten Meistern, denn als Kopie ansehen.
Die einzige Frage die bleibt : Was machen die Swordsmen als nächstes ? Disco-Revival ( gabs schon ) ? Vielleicht progressive Rockmusik ? Folk ? Übrigens gehörte das Schlagzeug, dass von verschiedenen Drummern bearbeitet wird, früher mal Jah Wobble und später Killing Joke und hier schliesst sich dann der Kreis.
 
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