THE STREETS : A grand don't come for free
Warner Music
The Streets ist der 26jährige Mike Skinner aus Birmingham, der nun im Londoner "Exil" wohnt. Schon mit 7 Jahren begann er sich für Hip-Hop zu begeistern und begann auf teilweise geliehenen Instrumenten eigene Tracks zu produzieren. Die UK-Garage-Welle brachte ihm neuen Antrieb. Er ging nach London, weil "dort etwas Neues passierte", nann- te sich "The Streets" und verteilte an die einschlägigen Clubs eine 200 er Vinyl-Auflage seines Songs "Has it come to this". Das Garage-Label Locked On wurde auf ihn aufmerksam und nach einigen Monaten stieg "Has it come to this" in die englischen Top 20 ein. Das 2002 folgende Debutalbum "Original Pirate Material" wurde ein riesiger Erfolg in Euro- pa, Japan und sogar Amerika. Die lange Liste der Auszeichnungen und Preise, die das Album gewann, ist Legion.
Die letzten zwei Jahre war Skinner mit ein paar befreundeten Musikern auf Tournee und arbeitete an seinem zweiten Streich "A grand don't come for free".Fast das gesamte Album wurde wieder in Skinners Wohnung aufgenommen und er schafft es, die Erwartungen, die sein Debut geweckt hatte, mehr als zu erfüllen. Auch wenn The Streets immer wieder im Garage-Zusammenhang genannt werden, hat die Musik Skinners jedoch wenig mit der Schicki-Micki-Attitüde der Garage-Szene gemein. Statt von Champagner-Orgien in coolen Bars erzählt Skinner Geschichten, die ihm in seinem mehr oder weniger aufregenden Alltag wiederfahren und es sind vor allem diese Texte, die, falls man sie denn versteht, das Herz von Skinners Songs ausmachen. Eigentlich könnte man das, was Skinner produziert schon viel eher Poetry nennen. Auch auf den 11 Songs von " A grand ..." erzählt Skinner wieder eine zusammenhängende Geschichte. Im ersten Song wird schon die gesamte Misere verdeutlicht. Der Erzähler schafft es nicht, eine DVD rechtzeitig zurückzubringen, seine Mutter anzurufen und zu allem Überfluss wurde ihm offensichtlich von einem Kumpel auch noch Geld gestohlen. Die Tatsache, dass sein Fernseher kaputt ist und seine neue Freundin offensichtlich kein Verständnis dafür hat, dass er sich vor ihrem Fernseher einquartiert, um zu kiffen und Fussball zu schauen, kann seine Stimmung auch nicht entscheidend heben. Nebenbei erlebt er noch ein paar Abenteuer in der Schlange einer Fast-Food-Kette, verliert schliesslich seine Freundin, weiss nicht mehr, welchem seiner Freunde er noch trauen kann und prügelt sich mit dem Fernsehmechaniker. Doch am Ende renkt sich alles wieder halbwegs ein und auch das verlorene Geld taucht im letzten Song wieder auf. Dies alles wird lakonisch mit schwarzem Humor und herzerweichender Offenheit in breitestem Cockney-Slang und der gewissen Brit-Pop Hochnäsigkeit vorgetragen. Kostprobe :
I should actually go out and about
Flip some beer mats
Instead of sitting here at my girls gaff
Because all I seem to do is sit in this habitat
Just roaching a spliff, watching the TV and that
And the TV at my house is a bit broken on the back
So I use my girls TV to watch the match
Yeah, I might head out later
To get off this beaten track

Musikalisch untermalt werden Skinners Ergüsse von rumpelnden Beats und minimalster Instrumentierung, die oft nur aus ein, zwei Samples besteht. Trotzdem schafft Skinner es, aus verschiedenen Musikstilen gewissermassen die Essenz zu ziehen und sie auf das Erforderlichste zu beschränken.So hört man Garage, RnB, Pop und auch Punkrock heraus. Mich erinnert das ganze sehr stark an The Fall, allerdings in einem elektronischen Kontext, vor dem Hintergrund der Acid- und Clubbewegung. Zugegeben, beim ersten Hören konnte ich recht wenig mit der CD anfangen, aber spätestens beim dritten Mal war ich in das Skinnersche Universum eingetaucht und seine spartanischen Melodien gehen mir seitdem nicht mehr aus dem Ohr. Für mich immer das untrügliche Indiz für wirklich gute Musik. Absolute Hits sind das herzzerbrechende "Dry your eyes" und das letzte Stück "Empty cans", welches sich zu einem kleinem Epos steigert, das mir Schauer über den Rücken treibt. Bei dem punkigen "Fit but you know it" hat Skinner übrigens eigenhändig die Gitarre eines Freundes malträtiert. Einziger Kritikpunkt sind die fehlenden Lyrics, da Skinners Texte sicherlich 50% der Wirkung ausmachen, wegen seines breiten Slangs aber auch für geübte Zuhörer nicht unbedingt leicht verständlich sind.

My jeans feel a bit tight, think i washed them a bit too high;
I was gonna be late, so i picked up my pace to run.

So enden nur ganz grosse Geschichten. GENIAL !!!

 
www.the-streets.co.uk
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