Südkorea 2004
Regie : Kang Je-gyu
Darsteller : Jang Dong-kun, Won Bin
Seoul 1950 : Nach dem Tod des Vaters arbeitet Jin-Tae (Jang Dong-kun) als Schuhputzer, um seinem jüngeren Bruder Jin-Sok (Won Bin) eine Universitätsausbildung zu ermöglichen. Als der Korea-Krieg ausbricht, wird Jin-Sok zur Armee Südkoreas eingezogen und um den Bruder auch weiterhin zu beschützen, geht Jin-Tae freiwillig mit ihm. Mit einem Offizier schliesst er eine Vereinbarung : Jin-Tae übernimmt die gefährlichsten Kampfeinsätze, dafür darf sein Bruder früher nach Hause.Doch die Grauen des Krieges lassen Jin-Tae zusehends verrohen und das Verhältnis der beiden Brüder droht hierüber zu zerbrechen.
Am 25. Juni 1950 überschritten Truppen des kommunistischen Nordkorea den 38. Breitengrad, der die Grenze zwischen beiden Teilstaaten markierte. Sie eroberten fast den gesamten Südteil und drängten die Armee Südkoreas bis auf ein kleines Gebiet im Südosten des Landes. Als sich die USA mit Unterstützung der UNO in den Konflikt einmischten, gelang es den Südkoreanern wiederum, die Nordkoreaner bis auf einen kleinen Streifen im Grenzgebiet zu China zurückzudrängen und beinahe den ganzen Norden zu erobern. Am 1. Januar 1951 traten wiederum die Chinesen in den Konflikt ein und entsandten inoffiziell eine "Freiwilligen-Armee" von 400.000 Mann, die erneut die Südkoreaner und Amerikaner zurückdrängten. Am 27. Juli 1953 einigte man sich schliesslich auf einen Waffenstillstand, der bis heute gilt und wieder den 38. Breitengrad als Grenze definierte. Der Korea-Krieg forderte über 4 Millionen Tote, verwüstete die gesamte koreanische Halbinsel und zementierte letztlich nur die Teilung des Landes. Bis heute existiert kein Friedensabkommen zwischen beiden Nachbarn.
Schon mit dem Thriller "Shiri" konnte Regisseur Kang Je-gyu einen enormen kommerziellen Erfolg erzielen , der sich ebenfalls mit der Teilung seines Landes auseinandersetzte und auch internationale Anerkennung fand. War "Shiri" jedoch ein hochspannender, letztlich aber konventioneller Reisser mit einem klaren Feindbild, entwirft der Regisseur bei "Brotherhood" vor der absurden Geschichte des Korea-Krieges ein vielschichtiges und schockierendes Drama, das die Sinnlosigkeit nicht nur dieses Krieges drastisch vor Augen führt.
"Brotherhood" wird oft mit Spielbergs "Saving Private
Ryan" verglichen und kann in puncto Realismus locker mit diesem mithalten. Auch hier ist die Kamera hautnah dabei, wenn die Soldaten im Geschosshagel verstümmelt, verbrannt und zerfetzt werden. Besonders die Nahkampfszenen, bei denen sich beide Armeen beinahe mit blossen Händen massakrieren, gehen an die Nieren.
Während Spielberg das Gemetzel letztendlich aber immer noch als patriotische Pflicht darstellt und den nicht-amerikanischen Zuschauer mit Pathos nervt, vermeidet Kang Je-gyu jegliche Parteinahme. Grausam gestorben wird auf beiden Seiten und beide Seiten verüben grausame Kriegsverbrechen und Massaker. Die Protagonisten selbst wissen gar nicht, warum sie sich gegenseitig abschlachten. Als Jin-Taes Verlobte die Mitgliedschaftserklärung zur kommunistischen Partei unterschreibt, weil sie dafür zwei Säcke Gerste bekommt, weiss sie gar nicht, was Kommunisten sind.
Als Südkoreaner sie deshalb ermorden und Jin-Tae davon überzeugt ist, dass auch sein Bruder nicht mehr lebt, wechselt er schliesslich die Seiten. Hierbei ändert sich lediglich seine Uniform. Selbst die Parolen und Schimpfworte für den Gegner bleiben dieselben. Das elende Sterben sowieso.
Der Film kostete die für koreanische Verhältnisse riesige Summe von 15 Millionen Dollar, die man in Hollywood jedoch unter "Low-Budget" verbuchen würde. Dies macht deutlich, wie überteuert amerikanische Produktionen sind, denn "Brotherhood" muss sich in Sachen Ausstattung, Action und Opulenz in keiner Weise vor westlichen Produktionen verstecken. Eine - zugegebenermassen - ökologisch nicht ganz korrekte Erklärung für das geringere Budget liefert der Regisseur selbst : "In Amerika benutzt man komplizierte Effekte, um beispielsweise Rauch zu erzeugen. Wenn wir irgendwo schwarzen Rauch benötigten, zündeten wir einfach 200 Autoreifen an."
In Südkorea lockte "Brotherhood" 11 Millionen Zuschauer in die Kinos, was einem Viertel der Bevölkerung entspricht und zeigt, wie gross dort auch heute noch das Interesse an der Geschichte des Konfliktes ist. Im Westen kam der Film nur vereinzelt in die Kinos, was wohl auch daran liegt, dass der Korea-Krieg, obwohl er die Welt an den Rand eines Atomkrieges brachte, bei uns weitgehend verdrängt wurde.
Die DVD macht diesen Meilenstein in Sachen Kriegsfilm nun auch hier erhältlich. Aber wie gesagt : Der Film ist definitiv nichts für schwache Nerven.
www.brotherhood-der-film.de
 
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