USA 2000
Regie : Richard Kelly
Darsteller : Jake Gyllenhaal, Patrick Swayze, Drew Barrymore
Ein sprechender Hase rettet den psychisch angeknacksten Schüler Donnie Darko (Jake Gyllenhaal) vor einer, in sein Zimmer stürzenden Flugzeugturbine, prophezeit ihm den Weltuntergang in 28 Tagen und erteilt ihm in der Folge Anweisungen, die immer gewalttätiger werden.
Dies ist der sicherlich originelle Plot des Debütfilms von Richard Kelly. Da Kelly völlig unbekannt war, stattete das Studio ihn mit einem geringen Budget aus und griff nach Aussage des Regisseurs massiv in den Entstehungsprozess des Filmes ein.
Als der Film im Jahre 2001 in die amerikanischen Kinos kam, fand er nur geringe Beachtung und in Europa war ihm gar nur eine Veröffentlichung auf DVD beschieden. Hier entwickelte sich der Film jedoch schnell zum Kult, befeuert duch das Internet, wo sich zahlreiche Webseiten mit dem Film und seiner vermeintlichen Botschaft beschäftigten. Dies veranlasste das Studio wiederum, den Regisseur um einen Director's Cut zu bitten, in dem er seine ursprünglich geplante Version wiederherstellen sollte. Kurz gesagt : dem Film, dem Regisseur und auch den Fans hätte es besser getan, das Studio hätte auf diesen Director's Cut verzichtet.
Schon die Kinoversion liess eine Menge Fragen offen und Raum für eigene Deutungen, was letztendlich auch den Kult um den Film begründete. Im Nachhinein offenbaren jedoch sowohl der Director's Cut, als auch das Beiheft und vor allem der beiliegende Audiokommentar des Regisseurs, dass diese Interpretationsfreiheit vom Regisseur offensichtlich gar nicht beabsichtigt war, sondern wohl vielmehr seinem Unvermögen entsprang, aus dem sicherlich originellen Plot eine Geschichte zu machen.
Die Ankündigung des Weltunterganges durch einen mysteriösen Hasen hätte reichlich Möglichkeiten für einen stringenten Spannungsaufbau geboten. Da der
Regisseur jedoch auf zuvielen Hochzeiten tanzt, hat man diesen Handlungsfaden spätestens nach zwei Minuten vergessen und muss erst durch die ständigen Datumseinblendungen daraufhingewiesen werden, dass irgendwo ein Countdown stattfindet. Selbst die Hauptperson gerät angesichts der ablaufenden Zeit nicht gerade in Hektik, sondern führt lieber pseudo-wissenschaftliche Gespräche. Wie der Regisseur im Audiokommentar bemerkt, sollte am Ende klar sein, dass Donnie sich opfert, um die Menschheit zu retten. Nun, ich persönlich hatte jedenfalls während des gesamten Filmes niemals den Eindruck, dass überhaupt irgendjemand in Gefahr war.
Nach eigener Aussage des Regisseurs sollte "Donnie Darko" in erster Linie eine Art Sci-Fi-Film über Zeitreisen und Paralleluniversen werden. Diesen Aspekt wollte er dann im Director's Cut verstärken. Durch die Einblendungen der Pupillen sollte der Eindruck entstehen, Donnie wäre irgendeiner Technologie ausgesetzt. Diesen Eindruck vermittelten mir diese Einblendungen jedenfalls nicht. Vielmehr, dass der Regisseur sein CGI beherrscht und viele Musikvideos gesehen hat. Auch die Geräuschfetzen, die aus den Fernsehern dringen, sollten den Eindruck erwecken, dass es eine Störung im Raum-Zeit-Konti-
nuum gibt. Als normaler Zuschauer weiss ich allerdings nicht, dass es sich um verfremdete Aufnahmen aus den 50er Jahren handelt und wenn man schon im Beiheft daraufhinweisen muss, dass sich diese Geräuschfetzen so anhören sollen, "als ob sie einige Jahrzehnte alt seien", spricht das nicht gerade für erzählerisches Talent. Der Sci-Fi-Ansatz funktioniert also nie richtig.
Nach eigener Aussage des Regisseurs sollte "Donnie Darko" in erster Linie eine Art Sci-Fi-Film über Zeitreisen und Paralleluniversen werden. Diesen Aspekt wollte er dann im Director's Cut verstärken. Durch die Einblendungen der Pupillen sollte der Eindruck entstehen, Donnie wäre irgendeiner Technologie ausgesetzt. Diesen Eindruck vermittelten mir diese Einblendungen jedenfalls nicht. Vielmehr, dass der Regisseur sein CGI beherrscht und viele Musikvideos gesehen hat. Auch die Geräuschfetzen, die aus den Fernsehern dringen, sollten den Eindruck erwecken, dass es eine Störung im Raum-Zeit-Kontinuum gibt. Als normaler Zuschauer weiss ich allerdings nicht, dass es sich um verfremdete Aufnahmen aus den 50er Jahren handelt und wenn man schon im Beiheft daraufhinweisen muss, dass sich diese Geräuschfetzen so anhören sollen, "als ob sie einige Jahrzehnte alt seien", spricht das nicht gerade für erzählerisches Talent. Der Sci-Fi-Ansatz funktioniert also nie richtig.
Als Teenie-Drama funktioniert der Film auch nicht. Obwohl der kommende Shooting-Star Jake Gyllenhaal sich wirklich Mühe gibt, bleibt die Hauptperson blass. Es wird zwar ständig daraufhingewiesen, dass Donnie Darko psychische Probleme haben muss, mir erschliesst sich seine Störung jedoch nicht. Dass er mal traurig, mal nachdenklich in die Kamera blickt und kritische Fragen stellt, macht aus ihm noch keinen Psychopathen. Dass er seine Schule flutet und das Schulmaskottchen mit einer Axt verziert ist auch noch kein Zeichen eines verwirrten Geistes. Da sind manche Abi-Scherze deftiger und spätestens nach Littleton und Erfurt wissen wir, wozu wirklich gestörte Schüler fähig sind.

Donnie Darko fühlt sich von seinen Eltern und seiner Familie unverstanden. Das geht Millionen von Pubertierenden so. Allerdings fragte ich mich schnell, wo eigentlich sein Problem liegt. Die Eltern sind nett, tolerant und freundlich und die Konflikte innerhalb der Darko-Familie sind nun wirklich harmlos, zumindest bieten sie keinen Stoff für ein Drama.
Als Gesellschaftssatire funktioniert der Film ebenfalls nicht. Man ahnt schnell, dass die von Patrick Swayze superb dargestellte, aalglatte Figur des Jim Cunningham irgendein dunkles Geheimnis hat. Da dieser Handlungsstrang jedoch ebenfalls nur am Rande behandelt wird, berührt er nicht weiter und ruft allenfalls mal ein mildes Lächeln hervor. Da gibt es unzählige bessere Filme, die sich vor allem ausführlicher mit dem Thema Bigotterie auseinandersetzen.
Besonders das Ende des Filmes wirkt aufgesetzt, was Gutmeinende als stilistisches Element bezeichnen mögen. Mir drängt sich allerdings eher eine andere Vermutung auf : In seiner Behäbigkeit und Beliebigkeit hätte der Film auch gut noch zwei Stunden weiter gehen können, der Regisseur musste ihn allerdings irgendwie enden lassen. Jedenfalls fällt Donnie irgendwann wieder ein, dass der Weltuntergang droht und es entsteht kurz Hektik, wobei sich mir auch hier nicht erschliesst, warum ausgerechnet jetzt. Vermutlich ist der Regisseur auch einfach dem Glauben erlegen, dass moderne Filme ein unerwartetes Ende haben müssen, siehe "Die üblichen Verdächtigen", "Sixth Sense" und "Vanilla Sky". Diese Filme vermochten den Zuschauer jedoch noch nach ihrem Ende zu fesseln. Bei "Donnie Darko" musste ich mich hingegen schon durch das zweite Anschauen quälen und hatte bis heute noch nicht das Verlangen, das -zugegebenermassen üppige- Bonusmaterial zu sichten.
Fazit : Trotz einiger Hochglanzbilder und einer tapfer gegen ein zu ambitioniertes und letztlich langweiliges Drehbuch agierenden Darstellerriege, gelingt es dem Film nicht seine verschiedenen Aspekte unter einen Hut zu bringen. Vielleicht hätte Kelly sich weniger Gedanken um den passenden Soundtrack machen und vielmehr an einer Geschichte arbeiten sollen, die den Zuschauer auch berührt. Ob in einigen Szenen nun INXS, ECHO AND THE BUNNYMEN oder JOY DIVISION läuft, ist mir relativ egal und hat auch nicht gerade grossen Einfluss auf die Qualität und Stimmung des Filmes.
Zumindest stellt der Director's Cut eine Empfehlung an alle Studiobosse dieser Welt dar, auch einfach mal dem ersten Impuls zu folgen.

Nachtrag : Mittlerweile habe ich mir ein paar der Extras angesehen. Sie ändern nichts an meiner Meinung über den Film, aber auf DVD2 findet sich ein kleines Filmchen namens "Darkomentary", in dem Darryl Donaldson, seines Zeichens "grösster Donnie Darko-Fan der Welt" sein Leben als Fan beschreibt und man sieht, wie er Darsteller und den Regisseur des Filmes trifft. Als grösste Gemeinsankeit zwischen Donnie und ihm nennt Darryl die Tatsache, dass auch er Medikamente nehmen muss. Sollte Darryl wirklich authentisch sein, wird mir wohl jeder beipflichten, wenn ich sage : "Das ist auch gut so, Darryl !"

 
www.donnie-darko.de
www.donniedarko.com
 
Bestellen :
   
 
Kontakt fuer Fragen, Anregungen, zusaetzliche Infos und Kritik : hier
copyright © 2002 - 2008 Jörg Overbeck