Japan 2004
Regie : Kazuaki Kiriya
Darsteller : Yusuke Iseya, Kumiko Aso, Toshiaki Karasawa
Nach fünfzig Jahren Krieg zwischen der "Östlichen Föderation" und Europa, ist die Erde verwüstet und biologisch, chemisch und atomar verseucht. Krankheiten breiten sich aus und die Menschheit scheint wieder einmal am Abgrund zu sein. Da entwickelt der Wissenschaftler Dr. Azuma ein neues genetisches Verfahren, um die Menschheit vor dem Aussterben zu bewahren, das "Neo-Cell- Projekt".
Da die Regierungen ihm jedoch die Unterstützung verwehren, ist Dr. Azuma auf die Hilfe des Militärs angewiesen.

Doch bei dem Experiment läuft etwas schief und eine neue Form von Leben, die Neo-Sapiens, entsteht. Diese werden jedoch sofort von den Menschen verfolgt und bis auf eine Handvoll Überlebender niedergemetzelt. Ausgestattet mit übermenschlichen Kräften können diese sich in ein verlassenes Gebiet retten, wo sie die Kontrolle über eine riesige Roboterarmee erlangen und nun beginnen die Menschen zu bekämpfen. Als Retter erscheint Dr. Azumas Sohn Casshern (sprich : Ka-Shaan), der zwar im Krieg gefallen ist, aber von Dr. Azuma wieder ins Leben zurückgeholt wurde und nun ebenalls über übermenschliche Kräfte verfügt, die von einem Spezialanzug kanalisiert werden. Casshern beginnt nun die Neo-Sapiens nacheinander zu bekämpfen, wobei er immer wieder von den Greueln, die er im Krieg erlebt und auch selbst verursacht hat, heimgesucht wird. Am Ende kommt es zur Schlacht und auch Casshern wird von seiner eigenen Vergangenheit eingeholt.

Um es vorweg zu nehmen : Wer den Trailer gesehen hat und einen knallharten Actionkracher erwartet, wird von dem Film sicherlich enttäuscht sein, obwohl er auch Actionszenen bietet, die man so sicherlich noch nicht gesehen hat. Der Film beruht auf einer TV-Animeserie aus den siebziger Jahren und Regisseur Kiriya, der zuvor ausschliesslich Videos gedreht hat, vor allem für seine Frau, den japanischen Popstar Utada Hikaru, unterstreicht bewusst den co-

michaften Charakter der Geschichte in dem er vor allem auf computergenerierte Bilder setzt, in die die Darsteller reinkopiert wurden. So entsteht eine völlig eigene Bildsprache, die irgendwo zwischen Jules Verne, Leni Riefenstahl und Jean-Pierre Jeunet liegt. Diesen künstlichen Welten setzt Kiriya geradezu poetische Bilder entgegen, die mitunter schon hart an die Kitschgrenzen gehen und diese auch bewusst überschreiten. Wer jedoch desöfteren Mangas liest, dem dürfte auch dieses Stilmittel bekannt sein. Ich habe den Film das erste Mal in Thailand im Original gesehen und war von der reinen Bilderflut schier überwältigt. Natürlich habe ich damals kein Wort verstanden, was, im nachhinein betrachtet, wahrscheinlich auch besser war. Denn, wie schon erwähnt, ist der Film in erster Linie kein Action-Kracher, sondern will auch geradezu philosophische Botschaften vermitteln.

Und hier hat sich Kiriya offensichtlich ein wenig verhoben. Die Botschaft, dass Technik nicht die alleinige Lösung aller Probleme sein kann, sondern, falsch angewendet, noch weitere Probleme schafft, wird im Film zwar noch sehr schön durch die immer grotesker werdenden Kampfmaschinen untermalt, auf der anderen Seite ist es aber auch gerade Kiriya selbst, der genau diesem Reiz der Technik verfällt. Gerade die Flut an, wenn auch zumeist genialen, Bildern macht es dem Zuschauer sehr schwer, sich in die Welt des Filmes einzufinden und sich mit den Personen in irgendeiner Weise zu identifizieren. Er bleibt nur ein, wenn auch faszinierter, Beobachter. Aber Kiriya belässt es nicht nur mit simpler Fortschrittskritik, sondern er will uns auch noch zeigen, dass Krieg schlecht und Toleranz gut ist.
Dies können sicherlich die meisten unterschreiben, aber muss man diese simplen Botschaften derart mit dem Holzhammer beigebracht bekommen ?
Besonders das Ende, in dem die Grausamkeit des Krieges auch noch unbedingt mit Dokumentarszenen untermalt werden muss, nervt schlicht und einfach und beleidigt die Intelligenz des Zuschauers. Auch die durchweg guten Schauspieler haben sichtlich Mühe, gegen den philosophischen Überbau des Filmes anzukämpfen, was ihnen noch durch die Tatsache erschwert wird, dass die dargestellten Charaktere nicht reden, sondern fast ausschliesslich polemisieren. So bekommt der Film leider im Nachhinein einen negativen Beigeschmack, der sogar
dazu geführt hat, dass Casshern 2004 bei der Verleihung der japanischen goldenen Himbeere für den schlechtesten Film auf dem zweiten Platz landete.
Soweit würde ich jedoch auf keinen Fall gehen. Film ist nunmal ein Medium für das Auge und auf diesem Gebiet setzt Casshern Masstäbe.
Mein Tip also : Schaltet die Untertitel aus und berauscht Euch einfach an der genialen Optik.
Wer an philosophischen Fragen und Antworten interessiert ist, sollte ohnehin besser ein gutes Buch lesen.
 
 
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