T-Bone
Thailand Cultural Center, Bangkok, 22.10.2006
Das "Thailand Cultural Center" (TCC) ist ein weitläufiger, offener Komplex, in dem regelmässig alle möglichen Arten von kulturellen Veranstaltungen, angefangen von klassischem thailändischen Tanz, bis zu Aufführungen europäischer Komponisten, stattfinden. Am 22.10.2006 traten also T-Bone dort auf und ich muss gestehen, dass dieser Auftritt ein Eckdatum in meiner Urlaubsplanung darstellte. Evtl. hätte ich den Geburtstag meiner Frau ... , aber ich hoffe, Ihr erzählt es Ihr nicht und es hat ja zeitlich alles geklappt.

Nun also mein erstes Ska-Konzert in Thailand. 500 Baht sind natürlich für einen Touristen verschmerzbar, soviel vetrinkt er locker in einer guten Stunde, für Thais allerdings kein Pappenstiel. So wurde das Konzert hauptsächlich von den hippen und nicht gerade ärmsten Bewohnern Bangkoks besucht : Statt tätowierter Skinheads, komisch frisierter Weenies und schwarzgekleideter Rude-Boys, auffallend viele schöne Frauen und viele Studententypen mit Hornbrillen ( so wie meine ). Neben meiner Wenigkeit waren auch noch 5 weitere Falangs anwesend.

Einige Besucher trugen "Democracy now" T-Shirts und eigentlich waren ja Versammlungen von mehr als 5 Personen verboten, immerhin herrschte vier Wochen nach dem Putsch noch Kriegsrecht in Thailand. Aber weit und breit keine Polizei und keine Armee und anstatt über Politik zu diskutieren, setzte man sich lieber in den wunderschönen Garten des TCC und trank Bier. Schliesslich darf man keine Getränke mit in die Halle nehmen und - eigentlich eine Unmöglichkeit in Thailand - auch kein Essen.
Um 17:00 begann der Einlass und die Halle füllte sich langsam, wobei man sich anständig auf den Fussboden setzte und wartete. Kurz darauf eine längere Ansage, die ich zwar kaum verstanden habe, aber anhand des allgemeinen Gelächters schliesse ich einfach darauf, dass es sich auch hier nicht um eine grimmige Anklage des Militärputsches handete.
Kurz darauf kommen T-Bone mit voller Besetzung auf die Bühne. Bislang kannte ich sie nur von ein paar ihrer regelmässigen Auftritte im Bangkoker Saxophone, wo sie allerdings nicht mit voller Besetzung auftreten und meist auch eher ein gemässigteres, jazzigeres Set spielen. Hier also mit voller Besetzung geben sie sofort Vollgas.
Was T-Bone ausmacht, ist ihr enormes Improvisationstalent, das sie von ihren Jazz-Vorbildern übernommen haben, und vor allem ihr Drang, trotz aller musikalischer Virtuosität, immer Party zu machen. Gap sieht mi seinen Dreadlocks, die er unter einem enorm grossen Wollsack versteckt, aus wie eine asiatische Reinkarnation Bob Marleys und ist nebenbei ein begnadeter Entertainer und perfekter Re-

präsentant des "Landes des Lächelns", denn er grinst in einer Tour und erzählt zwischen den Stücken Witz auf Witz, von denen ich leider nur die wenigsten verstehe.

Das Publikum feiert die schnellen Ska-Nummern frenetisch und geht voll ab, natürlich mit der gebotenen thailändischen Rücksichtnahme. Kein wilder Pogo, sondern eher eine Art Twist und Rumgehüpfe auf der Stelle, wohl deshalb auch die vielen ( schönen, ich erwähnte es bereits ) Frauen im Publikum. Bei den langsameren Stücken wird aus allen Kehlen mitgesungen und mit den Armen gerudert und wären offene Flammen nicht verboten, ich bin mir sicher, man hätte ein Meer aus brennenden Feurzeugen gesehen.
Kleiner Kritikpunkt von deutscher Seite :
Das Konzert begann um 17:00 und um kurz nach sechs gab es kurzfristig kein Bier mehr. Das können wir Deutschen besser organisieren ! Doch Thais sind bekanntlich findige Pragmatiker und so war diese kleine Krise nach einer Viertelstunde aus der Welt und wieder genug Bier da. Vermutlich kauften sie einfach alle umliegenden 7/11-Märkte leer. Nach zweieinhalb Stunden war das Konzert zuende und Euer Erzähler machte sich auf, um seinen angegriffenen Elektrolyt-Haushalt in der nahegelegenen RCA mit ein paar weiteren Bieren wieder auszugleichen. Aber das ist eine andere Geschichte und es ist ein lauer Abend in Bangkok ... .
 
 
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