Das Dortmunder JUICY BEATS-Festival hat sich in den letzten 10 Jahren
von einer kleinen Open Air-Party einiger House und Drum&Bass
begeisterter Aktivisten zu einem der schönsten Festivals für
elektronische Musik überhaupt in Deutschland gemausert. Einen
grossen Anteil am Erfolg hatte neben der Arbeit der Veranstalter
und unzähliger Freiwilliger natürlich auch die Stadt Dortmund,
die bereit war, ihre grüne Lunge, den Westfalenpark, den vermeintlichen
Gefahren einer solchen Veranstaltung aususetzen. Nicht zuletzt trägt
auch die wunderschöne Lokation unterhalb des Fernsehturmes
und eingerahmt von mittlerweile historischen Industriebauten und
nicht zuletzt dem ehr-
würdigen Westfalenstadion (als -in letzter
Zeit arg gebeutelter- BVB-Fan muss ich das hier einfach erwähnen)
zu der einmaligen Atmosphäre des Festivals bei, einer Atmosphäre,
die man nicht anders, als "entspannt" bezeichnen kann.
Auf 13 verschiedenen Bühnen,
die alle durch eine Frucht gekennzeichnet sind und jeweils grob
einen bestimmten Musikstil widerspiegeln und vor allem weit genug
über den Park verteilt sind, dass sie sich nicht gegenseitig
stören, treten die verschiedensten Acts auf, wobei man auch
hier konstatieren muss, dass sich der Geschmack, auch der Veranstalter,
mittlerweile deutlich vom reinen House und Drum&Bass entfernt
hat. Bands wie das Frank Popp Ensemble würde ich nicht
unbedingt zur elektronischen Musik zählen und trotzdem passen
sie in den Rahmen des Festivals.
Gerade diese musikalische Offenheit und die Mischung aus grossen
Namen und lokalen "kleineren" Bands und DJs trägt
zum Reiz des Festivals bei.
Zwischen den einzelnen Bühnen lädt
der Park, der für "normale" Besucher übrigens
während des Festivals geöffnet bleibt, zum Spazieren ein
oder man legt sich einfach auf eine der zahlreichen Liegewiesen.
Auch die Möglichkeit, im Restaurant des Turmes bei housigen
Klängen über die Stadt und weite Teile des östlichen
Ruhrgebietes zu blicken, bekommt man nicht jeden Tag geboten.
Für mich persönlich
war natürlich der Auftritt von DAF der Höhepunkt
des Festivals und trotz einiger kleinerer technischer Probleme,
merkte man, dass auch die Band sichtlich Spass an ihrem Auftritt
hatte. Für mich auch tröstlich, dass der grimmige Haarausfall
auch vor Sexsymbolen wie Gabi Delgado-Lopez nicht Halt
macht, das aber nur am Rande. Ansonsten ein routinierter Auftritt
mit den alten und auch neuen Hits und die Menge, die zu einem grossen
Teil aus ähnlich betagten Herrschaften wie ich es bin, bestand,
dankte es tanzend, wobei für den guten alten Pogo mittlerweile
wohl auch die Kräfte fehlen.
Weiterer Höhepunkt natürlich auch der Auftritt von International
Pony, die bei mir seelige Erinnerung an alte Fischmob-Zeiten
heraufbeschworen, aber auch mit ihrem "neuen" Projekt
begeisterten.
Der Seepavillon war erneut die Heimat des KOMPAKT
Technofloors und zog vor allem die Freunde des minimalen Sounds
an. Leider kann man bekanntlich nicht überall zugleich sein
und es bedurfte mitunter schon eines strammen Schrittes, um alle
persönlichen Highlights auf den verschiedensten Bühnen
sehen zu können. Trotzdem lief auch einiges parallel. Aber
man muss auch mal Prioritäten setzen können und allein
die Tatsache, dass dieses so ist, spricht schon für die Qualität
des Festivals.
Dies alles zu einem Eintrittspreis von 16 Euro an der Abendkasse
und 13 Euro im Vorverkauf. Die Tickets sind übrigens auch im
gesamten VRR als Fahrausweise gültig und gerade für Leute
aus entfernteren Gegenden relativiert sich der Eintrittspreis somit
noch einmal deutlich. Auf jeden Fall bietet JUICY BEATS einen wunderbaren
Rahmen, um einen angenehmen und, wie schon erwähnt, sehr entspannten
Tag im Freien zu verbringen und ich freu mich schon aufs nächste
Jahr.