SABOTAKT Party
AZ Mülheim 14.01.2005
Fight Back !!!
Eine Schlüsselfrage aus den Anfangstagen des Punk lautete : "Warum sich immer schlagen lassen, wenn man richtig verprügelt werden kann?" und wer in den Achtziger Jahren regelmässig auf Punkkonzerte ging, weiss dass Punkrock und Faustkampf sich oftmals ideal ergänzten. Problem war, dass die Wahl der Gegner meist willkürlich und unausgeglichen war und am Ende immer dieselben verprügelt wurden. Oftmals wurde man auch irgendwie in Kämpfe verstrickt, obwohl man momentan gar keine Lust dazu hatte, weil man z.B. am nächsten Tag zum Vorstellungsgespräch bei der Deutschen Bank musste, wo blaue Augen und gebrochene Nasen durchaus einen vorzeitigen Ab-
schied von der Karriere bedeuten konnten.
Auf der anderen Seite hat wohl jeder, der die Zeit erlebt hat, wehmütige Erinnerungen an bestimmte Momente exzessiver Gewalt, die oftmals damit endeten, dass sich die Kontrahenten nachher singend in den Armen lagen.
Der polnische Hengst schon fast in Siegerpose. Geholfen hat es allerdings nix. Um dieses Feeling ein wenig in die moderne Zeit zu retten, hat sich die Homburger "Sabotakt"-Crew nun diese Party-Reihe ausgedacht und tingelt damit durch die Republik. Das Konzept ist einfach : Jeder, der Lust hat, kann sich melden, um mit anderen Willigen zu boxen. Partnerwünsche werden bevorzugt be- rücksichtigt, wer keinen Wunschgegner hat, bekommt einen in seiner Gewichtsklasse zugewiesen. Boxhandschuhe und ein improvisierter Ring werden von den Veranstaltern zur Verfügung gestellt.
Die Kämpfe gehen über drei Runden a 2 Minuten und es gelten die offiziellen Boxregeln ( Typisch Punk : Alles muss reglementiert werden !). Zur Untermalung spielt eine Band zünftige Punkmusik.
Am 14.01. fand die erste Party in Mülheim statt und trotz eher mässiger Werbung fanden sich doch recht viele Zuschauer ein. Besonderes Interesse galt natürlich den Kämpfen zwischen Mitgliedern der Mülheimer Parallelgesellschaft und schon der zweite Kampf des Abends versprach ein besonderes Highlight zu werden. Blasius kämpfte gegen Arnd K. und junger Ungestüm traf auf die Abgeklärtheit des Alters.
 
Konditionelle Defizite zwangen Arnd K. zur Aufgabe. Nach einem durchaus ausge- glichenen Beginn, stellte sich schon recht früh die bange Frage, ob K.s Asthmaspray ausreichen würde, um die Dauer des Kampfes zu über- stehen. Um die Antwort vorweg zu nehmen : Es reichte offensichtlich nicht, denn schon bald machten sich bei K. konditionelle Defizite be- merkbar, die zu einem vorzeitigen Abbruch des Kampfes führten. Trotzdem gut geboxt und auch der Ringrichter erkannte die Ausgegli- chenheit des Kamfes durch unentschieden an.
     
Auch der vierte Kampf versprach ein besonderer Leckerbissen für Freunde des traditionsreichen Mülheimer Boxsportes zu werden. Ketzer, der "polnische Hengst" bekam einen jungen und allem Anschein nach auch recht sportlichen Gegner zugewiesen, dessen Namen ich leider vergessen habe. Rechtsausleger Ketzer setzte alles auf eine Karte und versuchte den Kampf durch einen "lucky punch" zu entscheiden. Es gelang ihm einige Treffer zu platzieren, die meisten jedoch recht fragwürdig in ihrer Wirkung. Hierüber vernachlässigte er seine Deckung, was wiederum zu Treffern bei ihm führte und schon bald floss das erste Blut des Abends. In der Folge versuchte Ketzer mitunter unerlaubte Strassen- kampftechniken einzubringen, die jedoch sofort vom aufmerksamen Ringrichter unterbunden wurden.
Letztlich musste jedoch auch Genussmensch Ketzer, der trotz allem wie ein Löwe kämpfte, feststellen, dass Boxen ca. 20 Sekunden lang Spass macht, danach jedoch nur noch anstrengend ist und kapitulierte vor seinem Gegner, der allerdings auch ca. 15 Jahre jünger war.
 
Olli. G erhält letzte Anweisungen von Trainerlegende Blüm. Angespornt von der grossen Qualität der bisherigen Kämpfe, entschied sich auch Olli G. seinem Drang nach sportlicher Betätigung nach- zukommen und da sich auf die Schnelle kein Gegner fand, sprang Captain Mahmud, Mitglied der Sabotakt-Crew, bereitwillig ein. Die Tatsache, dass dieser schon den vorherigen Kampf durch KO entschieden hatte, schien allerdings ein böses Omen zu sein und schon nach recht kurzer Zeit, bekam Olli einen Treffer, der ihn kopfüber auf den Steinboden schmetterte und den Kampf vorzeitig beendete. Auch wenn die Wucht des Aufpralls zuerst bei allen Zuschauern das Schlimm- Sportliche Fairnis : Captain Mahmud reanimiert persönlich seinen Gegner.
ste befürchten liess, erwachte Olli schon bald wieder aus der Bewusstlosigkeit und konnte halbwegs erhobenen Hauptes den Ring verlassen. Chapeau !! An dieser Stelle auch einen Dank an die Sanitäter.
 
Auch modische Akzente wurden gesetzt. Für alle überraschend stieg schliesslich auch Adolf Abartig in den Ring und bekam einen unbekannten Irokesen aus dem Homburger Raum als Gegner zugeteilt. Man merkte Abartig jedoch die Unerfahrenheit an und sein Gegner hatte leichtes Spiel mit ihm, zumal Abartig auch zusehends vom Blutverlust geschwächt wurde. Auch dieser Kampf musste vom Ringrichter abgebrochen werden, was der Begeisterung des Publikums jedoch keinen Abbruch tat. Das faire und kompetente Publikum.
Fazit : Für alle Beteiligten ein gelungener Abend und auch eine Bereicherung sowohl für die Partylandschaft, als auch für den traditionsreichen Mülheimer Boxsport, der zuletzt eher durch Querelen und durch die Nähe zum Rotlichtmillieu, als durch Leistung von sich Reden machte. Auch ein Lob an das kompetente Publikum, das jederzeit olympischen Geist zeigte und einen Dank an die Sabotakt-Crew, die dieses sportliche Highlight erst ermöglichte. Kommt doch mal wieder vorbei ! ( Wobei ich allerdings bezweifle, dass eine ähnliche Veran-staltung im AZ stattfinden wird, da die Betreiber des AZ offensichtlich leichte Zweifel an der Kompatibilität dieser Veranstaltung mit ihrem links-konservativen Weltbild hatten.)
 
(Alle Photos ausnahmsweise von Stahlmann, jedoch immerhin mit meiner Kamera.)
www.sabotakt.com
 
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