Eine Schlüsselfrage aus den Anfangstagen des Punk lautete :
"Warum sich immer schlagen lassen, wenn man richtig verprügelt
werden kann?" und wer in den Achtziger Jahren regelmässig
auf Punkkonzerte ging, weiss dass Punkrock und Faustkampf sich oftmals
ideal ergänzten. Problem war, dass die Wahl der Gegner meist
willkürlich und unausgeglichen war und am Ende immer dieselben
verprügelt wurden. Oftmals wurde man auch irgendwie in Kämpfe
verstrickt, obwohl man momentan gar keine Lust dazu hatte, weil
man z.B. am nächsten Tag zum Vorstellungsgespräch bei
der Deutschen Bank musste, wo blaue Augen und gebrochene Nasen durchaus
einen vorzeitigen Ab-
schied von der Karriere bedeuten konnten.
Auf der anderen Seite hat wohl jeder, der die Zeit erlebt hat, wehmütige
Erinnerungen an bestimmte Momente exzessiver Gewalt, die oftmals
damit endeten, dass sich die Kontrahenten nachher singend in den
Armen lagen.
Um dieses Feeling ein wenig in die moderne
Zeit zu retten, hat sich die Homburger "Sabotakt"-Crew
nun diese Party-Reihe ausgedacht und tingelt damit durch die Republik.
Das Konzept ist einfach : Jeder, der Lust hat, kann sich melden,
um mit anderen Willigen zu boxen. Partnerwünsche werden bevorzugt
be- rücksichtigt, wer keinen Wunschgegner hat, bekommt einen
in seiner Gewichtsklasse zugewiesen. Boxhandschuhe und ein improvisierter
Ring werden von den Veranstaltern zur Verfügung gestellt.
Die Kämpfe gehen über drei Runden a 2 Minuten und es gelten
die offiziellen Boxregeln ( Typisch Punk : Alles muss reglementiert
werden !). Zur Untermalung spielt eine Band zünftige Punkmusik.
Am 14.01. fand die erste Party in Mülheim
statt und trotz eher mässiger Werbung fanden sich doch recht
viele Zuschauer ein. Besonderes Interesse galt natürlich den
Kämpfen zwischen Mitgliedern der Mülheimer Parallelgesellschaft
und schon der zweite Kampf des Abends versprach ein besonderes Highlight
zu werden. Blasius kämpfte gegen Arnd K.
und junger Ungestüm traf auf die Abgeklärtheit des Alters.
Nach einem durchaus ausge- glichenen Beginn,
stellte sich schon recht früh die bange Frage, ob K.s
Asthmaspray ausreichen würde, um die Dauer des Kampfes zu über-
stehen. Um die Antwort vorweg zu nehmen : Es reichte offensichtlich
nicht, denn schon bald machten sich bei K. konditionelle
Defizite be- merkbar, die zu einem vorzeitigen Abbruch des Kampfes
führten. Trotzdem gut geboxt und auch der Ringrichter erkannte
die Ausgegli- chenheit des Kamfes durch unentschieden an.
Auch der vierte Kampf versprach ein besonderer
Leckerbissen für Freunde des traditionsreichen Mülheimer
Boxsportes zu werden. Ketzer, der "polnische Hengst"
bekam einen jungen und allem Anschein nach auch recht sportlichen
Gegner zugewiesen, dessen Namen ich leider vergessen habe. Rechtsausleger
Ketzer setzte alles auf eine Karte und versuchte den Kampf
durch einen "lucky punch" zu entscheiden. Es gelang ihm
einige Treffer zu platzieren, die meisten jedoch recht fragwürdig
in ihrer Wirkung. Hierüber vernachlässigte er seine Deckung,
was wiederum zu Treffern bei ihm führte und schon bald floss
das erste Blut des Abends. In der Folge versuchte Ketzer
mitunter unerlaubte Strassen- kampftechniken einzubringen, die jedoch
sofort vom aufmerksamen Ringrichter unterbunden wurden.
Letztlich musste jedoch auch Genussmensch Ketzer,
der trotz allem wie ein Löwe kämpfte, feststellen, dass
Boxen ca. 20 Sekunden lang Spass macht, danach jedoch nur noch anstrengend
ist und kapitulierte vor seinem Gegner, der allerdings auch ca.
15 Jahre jünger war.
Angespornt von der grossen Qualität der
bisherigen Kämpfe, entschied sich auch Olli G. seinem
Drang nach sportlicher Betätigung nach- zukommen und da sich
auf die Schnelle kein Gegner fand, sprang Captain Mahmud,
Mitglied der Sabotakt-Crew, bereitwillig ein. Die Tatsache,
dass dieser schon den vorherigen Kampf durch KO entschieden hatte,
schien allerdings ein böses Omen zu sein und schon nach recht
kurzer Zeit, bekam Olli einen Treffer, der ihn kopfüber
auf den Steinboden schmetterte und den Kampf vorzeitig beendete.
Auch wenn die Wucht des Aufpralls zuerst bei allen Zuschauern das
Schlimm-
ste befürchten liess, erwachte Olli
schon bald wieder aus der Bewusstlosigkeit und konnte halbwegs erhobenen
Hauptes den Ring verlassen. Chapeau !! An dieser Stelle
auch einen Dank an die Sanitäter.
Für alle überraschend stieg schliesslich
auch Adolf Abartig in den Ring und bekam einen unbekannten
Irokesen aus dem Homburger Raum als Gegner zugeteilt. Man merkte
Abartig jedoch die Unerfahrenheit an und sein Gegner hatte
leichtes Spiel mit ihm, zumal Abartig auch zusehends vom
Blutverlust geschwächt wurde. Auch dieser Kampf musste vom
Ringrichter abgebrochen werden, was der Begeisterung des Publikums
jedoch keinen Abbruch tat.
Fazit : Für alle Beteiligten ein gelungener
Abend und auch eine Bereicherung sowohl für die Partylandschaft,
als auch für den traditionsreichen Mülheimer Boxsport,
der zuletzt eher durch Querelen und durch die Nähe zum Rotlichtmillieu,
als durch Leistung von sich Reden machte. Auch ein Lob an das kompetente
Publikum, das jederzeit olympischen Geist zeigte und einen Dank
an die Sabotakt-Crew, die dieses sportliche Highlight erst ermöglichte.
Kommt doch mal wieder vorbei ! ( Wobei ich allerdings bezweifle,
dass eine ähnliche Veran-staltung im AZ stattfinden wird, da
die Betreiber des AZ offensichtlich leichte Zweifel an der Kompatibilität
dieser Veranstaltung mit ihrem links-konservativen Weltbild hatten.)
(Alle Photos ausnahmsweise von Stahlmann,
jedoch immerhin mit meiner Kamera.)