BEASTIE BOYS
13.12.2005 Düsseldorf ("the big D")
Nach Jahren der Abstinenz gaben sich auch die BEASTIE BOYS mal wieder in Deutschland die Ehre. Dass sie älter und grauer geworden waren, konnte man ja stets in den Videos mitverfolgen. Hatte die verlorene Präsidentschaftswahl sie jedoch etwa zu Greisen mutieren lassen oder schaffen sie es noch, das Hip-Hop-Publikum zu erreichen ? Kann man überhaupt mit vierzig noch Baseballmützen tragen ? Würden Carrie und Mr. Big doch noch zusammen- kommen ? Diese wichtigen Fragen schossen mir im Kopf herum, als ich mich auf den Weg nach D'dorf machte.
Um mich nicht etwa bei der Jugend anzubiedern und auch um etwas altersbedingte Reife durchschimmern zu lassen, hatte ich diesmal auch bewusst meine, ansonsten obligatorischen, Adidas-Sneaker zuhause gelassen.
Zu meiner Überraschung und heimlichen Freude war ich jedoch gar nicht der Älteste im Publikum. dafür sah ich aber kaum Hip-Hop-Jugend. OK, das ein oder andere Eminem-Tshirt war schon zugegen, aber ansonsten bestand das Publikum doch eher aus SPEX-Lesern, die man so auch auf nem Ramones-Konzert angetroffen hätte. Schon der Bühnenaufbau machte allerdings deutlich, um was es hier ging : Ein Mischpult und zwei Plattenspieler, mehr nicht. Dies war allerdings nur das Equipment für die Vorband "Talib Kweli", die einen Mix aus Hip-Hop, Jungle und Funk brachten und ihre Sache ganz gut machten und das Publikum zum Tanzen brachten.
Nach einer kurzen Umbaupause präsentierte sich dann der Bühnenaufbau für die BEASTIES : ein Mischpult und zwei Plattenspieler, nur alles etwas grösser, als bei der Vorband. Auf einer enormen Videoleinwand sah man die BEASTIE BOYS und ihre Crew in einer Küche und irgendwann machte sich dann Mixmaster Mike auf den langen Weg durch die Katakomben der Phillipshalle, begleitet von den Live-Kameras. Auf der Bühne angekommen gab Mike erstmal ein kleines Beispiel seines Könnens, untermalt von kleinen Filmchen. Schon beeindruckend, was der Junge als DJ drauf hat und auch das Publikum feierte ausgiebig seine kleine Demonstration.
 
Unter dem frenetischen Beifall der Menge tauchten dann die BEASTIES auf und wirbelten wie in alten Zeiten über die Bühne. Auch das Outfit war 100% "Old school" : ADIDAS-Trainingsanzüge und, ja, tatsächlich auch Baseballmützen, womit die Frage vom Anfang beantwortet wurde. Geboten wurden, passend zum Outfit vor allem alte Stücke und natürlich "3 MCs and a DJ", was die Situation passend beschrieb.
Allerdings wurde die Show nach einiger Zeit relativ langweilig. Aber die BEASTIES sind halt immer für eine Überraschung gut und wissen als Profis auch, dass man den Leuten heutzutage schon etwas mehr bieten muss, als eben 3 MCs und einen DJ, vor allem
angesichts des nicht gerade geringen Eintrittspreises von 35 Euro. Und so verschwanden sie rechtzeitig von der Bühne und überliessen erneut einem glänzend aufgelegten und auflegenden Mixmaster Mike das Feld.
 
Währenddessen hatten sich die BEASTIES in schmucke 50er Jahre Cocktail-Anzüge geworfen ("Yes, we DO look good!") und wurden auf einer kleinen fahrbaren Bühne, geschmückt von einer Art Lichterketten-Zelt, nach vorne gerollt und spielten in der Folge ihre Instrumentals, wie "Something's got to give", "Groove Holmes" und die Sachen von der "The in sound from way out". Sehr cool das Ganze und auch meiner Frau, die ansonsten mit Hip-Hop gar nix am Hut hat, fing die Sache an zu gefallen. Und war das etwa DJ Hurricane an den Percussionsinstrumenten, der durch ein längeres Urwaldgeräusche-Solo zu begeistern wusste ?
Nach einer längeren Session erfolgte dann erneut ein kurzer Umbau und es ging zurück auf die grosse Bühne, wo wiederum Mixmaster Mike wartete und die Videoinstallationen die Halle in ein Meer von Licht und Farben tauchten.

Zwischendurch verschwanden die BEASTIES kurzfristig von der Bühne, um sich kurz danach einen Weg durch die Menge zum Technik-Bereich in der Mitte zu bahnen. Hier gab es die drei (älteren) Jungs dann richtig zum Anfassen und man konnte schon sehen, dass sie gar nicht mehr soooo jung sind. ( Na gut, halt meine Alterklasse, obwohl ich den Weg vermutlich nicht so schnell geschafft hätte. Vielleicht sollte ich sie mal fragen, was ihr Geheimnis ist. )
Anschliessend noch ein kurzer Umbau und die BEASTIES griffen erneut zu ihren Instrumenten, um ihre rockigeren sachen zu spielen. Zwischendurch gab es auf der Videoleinwand kurze Ausschnitte aus dem Vorraum der Halle zu sehen, in denen sich vornehmlich junge Menschen "Fight for your right..." wünschten.

Diesem Wunsch wurde jedoch nicht entsprochen, was ich persönlich gar nicht besondes schlimm fand. Kann es nämlich irgendwie nicht mehr hören und die BEASTIES anscheinend auch nicht, geschweige denn spielen. Stattdessen gab es zum Abschluss "Sabotage", welches sie George W. Bush widmeten, womit auch der politischen Korrektheit Genüge getan wurde. Allerdings war danach auch Schluss und es gab keine Zugabe. Naja, immerhin war das Konzert ohnehin recht lang.
Auf jeden Fall habe ich die 2 mal 35 Euro nicht bereut und bin glänzend unterhalten worden. Sehr abwechslungsreich, ohne dabei in peinlichen Bombast abzugleiten, den sich manch andere Band mit ähnlicher Geschichte sicherlich geleistet hätte. Wie gesagt : Profis eben !!!
 
   
www.beastieboys.com
www.talibkweli.com
 
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