Nach Jahren der Abstinenz gaben sich auch die BEASTIE BOYS
mal wieder in Deutschland die Ehre. Dass sie älter und grauer
geworden waren, konnte man ja stets in den Videos mitverfolgen.
Hatte die verlorene Präsidentschaftswahl sie jedoch etwa zu
Greisen mutieren lassen oder schaffen sie es noch, das Hip-Hop-Publikum
zu erreichen ? Kann man überhaupt mit vierzig noch Baseballmützen
tragen ? Würden Carrie und Mr. Big doch noch
zusammen- kommen ? Diese wichtigen Fragen schossen mir im Kopf herum,
als ich mich auf den Weg nach D'dorf machte.
Um mich nicht etwa bei der Jugend anzubiedern
und auch um etwas altersbedingte Reife durchschimmern zu lassen,
hatte ich diesmal auch bewusst meine, ansonsten obligatorischen,
Adidas-Sneaker zuhause gelassen.
Zu meiner Überraschung und heimlichen
Freude war ich jedoch gar nicht der Älteste im Publikum. dafür
sah ich aber kaum Hip-Hop-Jugend. OK, das ein oder andere Eminem-Tshirt
war schon zugegen, aber ansonsten bestand das Publikum doch eher
aus SPEX-Lesern, die man so auch auf nem Ramones-Konzert
angetroffen hätte. Schon der Bühnenaufbau machte allerdings
deutlich, um was es hier ging : Ein Mischpult und zwei Plattenspieler,
mehr nicht. Dies war allerdings nur das Equipment für die Vorband
"Talib Kweli", die einen Mix aus Hip-Hop, Jungle
und Funk brachten und ihre Sache ganz gut machten und das Publikum
zum Tanzen brachten.
Nach einer kurzen Umbaupause präsentierte
sich dann der Bühnenaufbau für die BEASTIES :
ein Mischpult und zwei Plattenspieler, nur alles etwas grösser,
als bei der Vorband. Auf einer enormen Videoleinwand sah man die
BEASTIE BOYS und ihre Crew in einer Küche und irgendwann
machte sich dann Mixmaster Mike auf den langen Weg durch
die Katakomben der Phillipshalle, begleitet von den Live-Kameras.
Auf der Bühne angekommen gab Mike erstmal ein kleines
Beispiel seines Könnens, untermalt von kleinen Filmchen. Schon
beeindruckend, was der Junge als DJ drauf hat und auch das Publikum
feierte ausgiebig seine kleine Demonstration.
Unter dem frenetischen Beifall der Menge tauchten
dann die BEASTIES auf und wirbelten wie in alten Zeiten
über die Bühne. Auch das Outfit war 100% "Old school"
: ADIDAS-Trainingsanzüge und, ja, tatsächlich auch Baseballmützen,
womit die Frage vom Anfang beantwortet wurde. Geboten wurden, passend
zum Outfit vor allem alte Stücke und natürlich "3
MCs and a DJ", was die Situation passend beschrieb.
Allerdings wurde die Show nach einiger Zeit relativ langweilig.
Aber die BEASTIES sind halt immer für eine Überraschung
gut und wissen als Profis auch, dass man den Leuten heutzutage schon
etwas mehr bieten muss, als eben 3 MCs und einen DJ, vor allem
angesichts des nicht gerade geringen Eintrittspreises
von 35 Euro. Und so verschwanden sie rechtzeitig von der Bühne
und überliessen erneut einem glänzend aufgelegten und
auflegenden Mixmaster Mike das Feld.
Währenddessen hatten sich die BEASTIES
in schmucke 50er Jahre Cocktail-Anzüge geworfen ("Yes,
we DO look good!") und wurden auf einer kleinen fahrbaren Bühne,
geschmückt von einer Art Lichterketten-Zelt, nach vorne gerollt
und spielten in der Folge ihre Instrumentals, wie "Something's
got to give", "Groove Holmes" und die Sachen von
der "The in sound from way out". Sehr cool das Ganze und
auch meiner Frau, die ansonsten mit Hip-Hop gar nix am Hut hat,
fing die Sache an zu gefallen. Und war das etwa DJ Hurricane
an den Percussionsinstrumenten, der durch ein längeres Urwaldgeräusche-Solo
zu begeistern wusste ?
Nach einer längeren Session erfolgte dann erneut
ein kurzer Umbau und es ging zurück auf die grosse Bühne,
wo wiederum Mixmaster Mike wartete und die Videoinstallationen
die Halle in ein Meer von Licht und Farben tauchten.
Zwischendurch verschwanden die BEASTIES
kurzfristig von der Bühne, um sich kurz danach einen Weg
durch die Menge zum Technik-Bereich in der Mitte zu bahnen. Hier
gab es die drei (älteren) Jungs dann richtig zum Anfassen
und man konnte schon sehen, dass sie gar nicht mehr soooo jung
sind. ( Na gut, halt meine Alterklasse, obwohl ich den Weg vermutlich
nicht so schnell geschafft hätte. Vielleicht sollte ich sie
mal fragen, was ihr Geheimnis ist. )
Anschliessend noch ein kurzer Umbau und die BEASTIES
griffen erneut zu ihren Instrumenten, um ihre rockigeren sachen
zu spielen. Zwischendurch gab es auf der Videoleinwand kurze Ausschnitte
aus dem Vorraum der Halle zu sehen, in denen sich vornehmlich
junge Menschen "Fight for your right..." wünschten.
Diesem Wunsch wurde jedoch nicht entsprochen,
was ich persönlich gar nicht besondes schlimm fand. Kann es
nämlich irgendwie nicht mehr hören und die BEASTIES
anscheinend auch nicht, geschweige denn spielen. Stattdessen gab
es zum Abschluss "Sabotage", welches sie George W.
Bush widmeten, womit auch der politischen Korrektheit Genüge
getan wurde. Allerdings war danach auch Schluss und es gab keine
Zugabe. Naja, immerhin war das Konzert ohnehin recht lang.
Auf jeden Fall habe ich die 2 mal 35 Euro nicht bereut und bin glänzend
unterhalten worden. Sehr abwechslungsreich, ohne dabei in peinlichen
Bombast abzugleiten, den sich manch andere Band mit ähnlicher
Geschichte sicherlich geleistet hätte. Wie gesagt : Profis
eben !!!