In Bangkok wird ein amerikanischer Marine auf ungewöhnliche
Weise ermordet. Polizist Sonchai übernimmt den Fall,
wobei ihn weniger der Gedanke an den Amerikaner umtreibt, als vielmehr
der Wunsch, sich an den Tätern zu rächen, die auch für
den Tod seines besten Freundes Pichai verantwortlich sind.
Schnell wird klar, dass das Opfer kein gewöhnlicher Soldat
war. Unterstützt von der FBI-Agentin Kimberley Jones,
die unter einem massiven Kulturschock leidet, gerät Sonchai
in einen Strudel aus Sex, Drogen und Macht, dessen Auswüchse
in höchste amerikanische Regierungskreise reichen und selbst
Sonchais Vorgesetzte scheinen irgendwie in den Fall verwickelt
zu sein.
Der Brite John Burdett lebte lange Zeit als Anwalt in Hong
Kong und kennt deshalb die asiatische Sicht der Dinge und vor
allem die dortige Rechtsauffassung recht genau. Später begann
er seine Erfahrungen in Kriminalromanen aufzuarbeiten. "Der
Jadereiter" ist sein erster Roman, der in Bangkok
spielt und ich muss sagen, das mich dieses Buch, auch wenn ich zunächst
etwas voreingenommen war, von der ersten bis zur letzten Minute
gefesselt hat.
Meine Voreingenommenheit gründete vor allem in der Tatsache,
dass mich Bücher, in denen westliche Autoren dem Leser mithilfe
zumeist westlicher Hauptcharaktere asiatische Ansichten vermitteln
wollen, langweilen, da sie in der Regel doch nur den westlichen
Blick der Autoren widerspiegeln und den kenne ich selbst zur Genüge.
Auch Burdetts Hauptfigur Sonchai ist zumindest
ein Mischling mit westlichen Wurzeln, versteht sich jedoch selbst
als Thai und ist auch fest in der thailändischen Kultur verankert.
So gelingt dem Europäer Burdett das Kunststück,
dem Leser durch seine Hauptfigur tiefe Einsichten in die thailändische
Mentalität, mit der der Autor sich offensichtlich sehr intensiv
auseinandergesetzt hat, zu vermitteln. Der unbedarfte Leser erfährt
sehr viel über die, in der Regel von purem Pragmatismus geprägten,
Ansichten der Thais, wobei Burdett den Fehler vermeidet,
die Taten und Beweggründe seiner Personen nach westlichen Masstäben
zu messen. Lediglich in der Nebenfigur der FBI-Agentin kommen westliche
Auffassungen zum Ausdruck.
Ein grosses Lob gebührt Burdett dafür, dem, in
seiner Geschichte immer wieder durchschimmernden, thailändischen
Humor Platz zu bieten. ( Entgegen der im Westen vorherrschenden
Meinung besitzen Thais sehr wohl ein feines Gespür für
Ironie und Sarkasmus. Die Ursache für das Missverständnis,
Thais seien weitgehend humorlos, gründet wiederum in der Annahme
der Thais, gerade wir Westler seien nicht zur Ironie fähig,
weshalb sie diese in der Konversation mit uns tunlichst vermeiden.
)
Daneben funktioniert "Der Jadereiter" auch als abgründiger
Thriller, der bis zum Ende fesselt und ist eine Hommage an meine
persönliche Lieblingsstadt Bangkok und ihre Bewohner.
Das Burdett letztlich wieder auf Klischees zurückgreift
und sich auch sein Fall in den typischen Koordinaten Sex, Drogen
und Korruption bewegt, sei ihm verziehen, denn schliesslich will
er sein Buch an die westliche Leserschaft bringen und eine Geschichte
über eine Auseinandersetzung unter thailändischen Kampffischzüchtern
dürfte bei seinem Zielpublikum wenig Aufmerksamkeit erregen.