THOMAS BÜHRKE : E = mc²
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Bekanntlich ist 2005 das Einsteinjahr, denn genau vor hundert Jahren erlebte Albert Einstein sein annus mirabilis, sein Wunderjahr, in dem sechs seiner berühmtesten Arbeiten erschienen.
Wohl kaum einem anderen Denker vor ihm war es vergönnt, alle bis dahin gängigen Vorstellungen und Weltbilder derart zu erschüttern. Einsteins Theorien gehen weit über den Bereich der Physik hinaus und haben massiven Einfluss auf viele Bereiche unseres täglichen Lebens, wobei ich nicht nur die Bedrohung durch Atomwaffen meine. Sowohl die moderne Medizin, als auch die einfachsten Navigationsprogramme, die man heute in fast jedem Auto findet, wären ohne Einsteins Erkenntnisse nicht möglich.
Obwohl Einsteins Bedeutung allgemein akzeptiert ist und beispielsweise fast jeder den Begriff der "Relativitätstheorie" kennt, weiss immer noch kaum jemand, was sich hinter Einsteins Arbeiten eigentlich verbirgt und es scheint geradezu eine allgemeine Scheu davor zu geben, sich näher mit seinen Erkenntnissen zu beschäftigen, die in der Annahme gründet, Einsteins Theorien bestünden aus hochkomplizierten Formeln, die ohnehin nur von Mathematikern oder Physikern verstanden werden könnten.

Diese Annahme ist jedoch grundsätzlich falsch. Einstein selbst erlangte seine Erkenntnisse zumeist nicht durch mathematische Berechnungen, sondern durch recht einfache Gedankenexperimente. Seine Grösse bestand jedoch in seiner Fähigkeit, diese Gedanken, ungeachtet aller eigenen Zweifel und Hemmungen, konsequent zuende zu führen und letztendlich richtig zu bewerten. Da er selbst nicht gerade ein brillanter Mathematiker war, stand auch er nicht selten vor dem Problem, seine Erkenntnisse in die komplexe Form der Mathematik, die ja eigentlich nur ein Code ist, mit dem man logische Zusammenhänge in eine abstrakte Form bringen kann, zu kleiden und auch Einstein suchte nicht selten den Rat von Mathematikern.
Natürlich kann man sich Einsteins Theorien auf dem rein mathematischen Wege nähern. Aber selbst wenn man in der Lage ist, alle Formeln durchzurechnen, bedeutet dies noch lange nicht, dass man den Kern der Ergebnisse auch versteht. Auf der anderen Seite genügen oft schon einfachste naturwissenschaftliche Grundkenntnisse, um Einsteins Gedankengängen folgen und die daraus resultierenden Konsequenzen zumindest instinktiv nachvollziehen zu können.
Der Diplomphysiker und Astronom Thomas Bührke erläutert im vorliegenden kleinen Buch die wichtigsten Erkenntnisse Einsteins und wiederholt dabei zumeist die gedanklichen Experimente, von denen auch Einstein selbst ausging. Die Erläuterung der mathematischen Zusammenhänge deutet Bührke an einigen Stellen an, vermeidet sie jedoch zumeist geschickt. Dadurch, dass er Einsteins Theorien vor dem historischen Kontext erläutert, wird das eigentlich Revolutionäre an ihnen deutlich, nämlich der radikale Bruch mit der klassischen Physik im Newton'schen Sinne, der damals nötig war um bestehende Widersprüche aufzuheben. Dazu werden noch einige der wichtigsten Konsequenzen und auch Anwendungen erläutert, die sich aus Einsteins Gedanken ergeben. Mehr kann ein Büchlein von knapp 140 Seiten und mit dem Untertitel "Einführung in die Relativitätstheorie" nicht leisten und Bührke ist zumindest dies hervorragend gelungen. Ein ideales Buch für Einsteiger und solche, die einfach nur einen Überblick haben wollen. Wer tiefer in die Materie eindringen will, der sei zunächst auf Bührkes Literaturliste verwiesen.

 
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