Nima Zamar ( Deckname ) ist eine junge französische
Informatikerin jüdischen Glaubens, die als Zwanzigjährige
beschliesst, nach Israel auszuwandern. Um dort als "echte"
Israelin anerkannt zu werden, geht sie zur Armee. Dort wird der
Geheimdienst auf sie aufmerksam und spinnt eine Intrige an deren
Ende ihr nur die Wahl bleibt zwischen Gefängnis und dem Eintritt
in selbigen. Sie entschliesst sich für den Geheimdienst. Dort
wird sie nach einer harten Grundausbildung in radikale Terroristengruppen
eingeschleust und bekommt den Auftrag, das syrische Computersystem
anzuzapfen. Sie wird mehrfach verhaftet und gefoltert. Um ihr eigenes
Leben zu retten, muss sie selbst töten und beschliesst am Ende
auszusteigen, was sie wiederum auf die Abschussliste ihrer ehemligen
Arbeitgeber setzt.
Soweit der Inhalt einer Geschichte die schon bei ihrer Veröffentlichung
in Frankreich im Jahre 2003 für erhebliches Aufsehen sorgte.
Auch die deutsche Ausgabe schlug relativ hohe Wellen und veranlasste
auch das ZDF-Magazin "aspekte" sich mit dem Fall auseinanderzusetzen.
Gegen den Wahrheitsgehalt der Geschichte wurden erhebliche Zweifel
ausgesprochen und um ehrlich zu sein, kann man eigentlich auch nur
hoffen, dass sie nicht wahr ist. Anderenfalls müsste man sich
eingeste-
hen,
dass einer der brisantesten Konflikte des aktuellen Weltgeschehens
letztlich nur auf der Auseinandersetzung zwischen Stümpern
und Vollidioten besteht.
Jedoch ist die Geschichte so hanebüchen, dass recht schnell
klar wird, dass alles an den Haaren herbeigezogen ist.
Schon Zamars Anwerbung scheint mehr als fragwürdig.
Der Geheimdienst spinnt eine ausgeklügelte Intrige um Zamar
letztlich für sich zu gewinnen. Heutzutage gehören gerade
Geheimdienste für abenteuerlustige und karrierebewusste Informatiker
zu den begehrtesten Arbeitgebern. Warum sollte also ein Geheimdienst,
der als einer der effizientesten der Welt gilt, das Risiko mit jemandem
eingehen, den er gegen seinen Willen rekrutiert hat ?
Aber leider geht die Geschichte noch seltsamer weiter. Zamar,
die anfangs ein wenig hebräisch spricht, kann plötzlich
fliessend Arabisch und wird in die Hisbollah unter der
Legende eingeschleust, sie sei eine reiche Schweizerin palästinensischer
Abstammung, die ursprünglich nur Geld für die Sache der
Palästinenser spenden, dann aber etwas mehr machen wolle. Relativ
schnell wird sie in ein Terrorausbildungslager geschickt, wo sie
sofort den Auftrag erhält, eine Kameradin zu töten, was
sie dann auch ohne zu fragen präzise und mit blossen Händen
erledigt. Offensichtlich verwundert es aber niemanden bei der Hisbollah,
dass sich eine Geschäftsfrau aus behütetem Hause plötzlich
als Killermaschine entpuppt. Ebensowenig wie es niemand für
nötig hält, Zamar, die regelmässig zwischen
ihren Terroreinsätzen verschwindet, um angeblich ihren Geschäften
nachzugehen, einmal zu beschatten.
Schliesslich bekommt Zamar den Auftrag, das Datennetz des
syrischen Gehimdienstes zu infiltrieren. Hierzu schreibt sie schnell
selbst ein Programm und um dieses in das Netz einzuspeisen, lässt
sie sich mehrfach selbst verhaften, wird gefoltert, findet aber
in den Folterpausen genug Zeit um an die Rechner ihrer Peiniger
zu gelangen. Seltsam, dass diese nach eigener Aussage zwar altertümlich
sind, aber trotzdem, auch wenn sie in einer einfachen Polizeistation
im hintersten Winkel Syriens stehen, offensichtlich alle über
eine Direktverbindung zum Zentralrechner des syrischen Geheimdienstes
verfügen.Nach getanem Job gelingt Zamar regelmässig
die Flucht. In einem Fall überzeugt sie nach kurzem Gespräch
ihren Wächter davon, dass sein Vorgesetzter selbst ein Agent
ist, im anderen Falle überrumpelt sie die Wachen einfach.("Sicherheitshalber
erwürge ich ihn, ehe ich rausgehe." Logisch, hätte
doch jeder so gemacht ! ). Zamar lernt in ihrer spärlichen
Freizeit nämlich ein wenig Krav
Maga und so ist es kein Problem es wie Samson gleich mit einer
Übermacht aufzunehmen und offensichtlich auch Kugeln auszuweichen.
Zwischen ihren Einsätzen kuriert sich Zamar in Israel
aus. Allerdings verlässt sie Ihr Freund, weil sie sich so selten
sehen ( so ist das halt mit Fernbeziehungen ). Ihre Schusswunden
und Peitschennarben scheinen ihm ansonsten aber nicht weiter aufgefallen
zu sein.
Zuerst gefällt ihr dieses Leben, wobei natürlich diese
ständigen Folterungen zwischendurch ziemlich lästig sind
und auch auf die Gesundheit zu gehen scheinen. Irgendwann beschliesst
sie, den Geheimdienst zu verlassen, was ihre Vorgesetzten natürlich
gar nicht gerne hören. Mitten im Flughafen versuchen diese
sie umzubringen. Zamar überwältigt jedoch ihren
Attentäter und tötet ihn, wobei sie noch für die
Überwachungskameras lächelt (Spass muss sein!). Damit
lässt es der Geheimdienst aber auch auf sich beruhen. Zamar
sucht sich eine Arbeit und trifft sich mit anderen ehemaligen Geheimdienstlern,
die nebenbei auch noch die Hintergründe des 11. September aufklären
: Es waren nämlich die Russen. Nur die haben ein Interesse
daran, Amerika in ihren Kampf gegen den Terrorismus hineinzuziehen
und nur die haben, mit dem ehemaligen KGB, einen Geheimdienst, der
imstande ist, so einen Anschlag zu planen. ( Ähm,´Tschuldigung,
ohne mich jetzt in irgendwelchen sinnlosen Verschwörungstheorien
verlieren zu wollen, aber trifft nicht irgendwie beides auch auf
Israel zu ? )
Wie gesagt, die ganze Geschichte erscheint mehr als fragwürdig
und scheint nur dem Ziel zu dienen, anti-arabische Klischees zu
erfüllen. Ich bin sicherlich nicht pro-palästinensisch
eingestellt, aber wenn die Palästinenser wirklich alle nur
die tumben und blutrünstigen Psychopathen sind, wie sie in
dem Buch beschrieben werden, stellt sich schon die Frage, warum
ein so effizienter Geheimdienst wie der israelische sich dieses
Problems nicht schon längst erledigt hat. Ich kann mir beim
besten Willen auch nicht vorstellen, dass ein Häuflein von
demokratischen syrischen Oppositionellen, die alle mehrfach verhaftet
und gefoltert wurden und unter ständiger Beobachtung stehen,
gerade die Basis für Operationen des israelischen Geheimdienstes
darstellen soll. Leider konnte der israelische Geheimdienst der
Versuchung nicht widerstehen, sich von dem Buch und seiner Autorin
zu distanzieren und heizte somit die Spekulationen über die
Authentizität der Geschichte weiter an, denn wenn sich schon
der Geheimdienst distanziert, müsste ja wohl doch irgendwas
an der Geschichte dran sein.
Lässt man einmal die Frage nach der Authentizität aussen vor, wirkt
die ganze Story immer noch so überzogen, dass noch nicht einmal
ein guter Spionageroman übrigbleibt. Es fehlt einfach jede
Spur von Ironie, die die ganzen Übertreibungen und Unwahrscheinlichkeiten
irgendwie erträglich machen könnte. Ausserdem wissen wir
alle, spätestens seit James Bond, dass gerade Sexszenen
die Würze in einem guten Spionageroman sind. Diese fehlen hier
völlig. Also, Frau Zamar, in ihrem nächsten Roman
bitte etwas mehr hiervon. Dafür sollte doch in irgendwelchen
Feuerpausen Zeit gewesen sein, dank Krav Maga selbst mitten
im Stacheldrahtverhau.
Fazit : Spart Euch die Lektüre dieses Buches. Wartet auf die
FILM-FILM-Version bei SAT 1 und lest derweil lieber John Le
Carre oder schaut Euch einen James Bond an !