|
Da macht ein Mythos die Runde : Kamikaze. Junge Piloten,
die sich mit ihren Maschinen als menschliche Bomben auf ihre Gegner
stürzen, sollen das japanische Kaiserreich vor der Niederlage
bewahren, so wie hunderte Jahre bevor ein Taifun - Kamikaze
heisst "Götterwind" - schon einmal die unterlegene
japanische Armee vor den Mongolen rettete. Obwohl der militärische
Nutzen äusserst fragwürdig ist, werden schnell überall
im Lande Kamikaze-Geschwader aufgestellt. Auch Taroo,
der sich inzwischen verliebt hat, wird einem dieser Geschwader
zugeteilt, allerdings anfangs als Geleitflieger. Seine Leistungen
als Jagdflieger bewahren ihn zunächst vor dem "freiwilligen"
Selbstmordeinsatz. Um ihn herum lichten sich jedoch die Reihen
seiner Kameraden und Taroo weiss, dass auch er irgendwann
den todbringenden Befehl erhalten wird und erkennt gleichzeitig,
wie sehr er doch am Leben hängt.
Für seinen Roman verarbeitete der polnische Autor Bohdan Arct
(1914-1973) die Tagebuchaufzeichnungen eines japanischen Piloten.
Arct, im Zweiten Weltkrieg selbst Jagdflieger, gelingt
es, die Zerissenheit der Hauptfigur einfühlsam darzustellen.
Die Beschreibung des monotonen Lebens zwischen Cockpit, Fliegerbaracke
und Kasino, nur von Momenten des nackten Überlebenskampfes
und reiner Todesangst unterbrochen, beruht vermutlich auf eigenen
Erfahrungen. Obwohl Arct nach eigener Auskunft nie in
Japan war, kann er sich und den Leser sehr gut in die Welt eines
Menschen aus einer völlig anderen Kultur und Gedankenwelt
hineinversetzen. Die japanischen Piloten werden ausnahmsweise
einmal nicht als seelenlose ,"Banzai" brüllende
Schlächter dargestellt und man erfährt, dass ihnen ihre
vermeintliche Todesverachtung, die auch heute noch in Japan kultisch
verehrt wird, in der Regel mit Unmengen von Alkohol eingeflösst
wurde. Am Ende erkennt man, dass es letztlich die Angst vor dem
Tod ist, die alle Menschen über ideologische Gren- zen hinweg
verbindet.
Ein Buch, das nachdenklich stimmt und vielleicht auch einmal
von den Menschen, die ihre vermeintlichen Kriegshelden regelmässig
am Tokioter Yasukuni-Schrein kultisch verehren - einschliesslich
wichtiger japani- scher Regierunsvertreter -, gelesen werden sollte.
|