ISABEL HILTON : Die Suche nach dem Panchen Lama
Verlag Piper
Im Jahre 1989 verstarb der zehnte Panchen Lama im chinesischen Exil. Der Panchen Lama ist in Tibet nach dem Dalai Lama die zweithöchste, religiöse Figur. Der Dalai Lama, die Reinkarnation des "Buddhas des Mitgefühls", ist politischer Führer Tibets. Der Panchen Lama gilt als die Reinkarnation des "Buddhas des grenzenlosen Lichtes" und beide sind nahezu symbiotisch miteinander verbunden. Der eine dient jeweils als Lehrer des anderen und - viel brisanter - hat der eine jeweils die Aufgabe, nach dem Tod des anderen, nach dessen Reinkarnation zu suchen. Dies wäre sicherlich für Menschen in der westlichen Welt nicht gerade sonderlich interessant, wäre Tibet nicht im Jahre 1949 völkerrechtswidrig von China annektiert worden und der Dalai Lama später ins indische Exil geflohen, von wo aus er seinen gewaltlosen Kampf für die Freiheit seines Landes und den Erhalt der tibetischen Kultur weiterführt. Hierdurch bekam die religiöse Figur des Panchen Lama eine enorme politische Bedeutun, denn er hat eines Tages die Aufgabe,nach dem Tod des jetzigen Dalai Lama, der von der tibetischen Bevölkerung unendlich verehrt, von der chinesischen Regierung jedoch als Terrorist angesehen wird, nach dessen Inkarnation zu suchen und diese zu bestätigen.
1995 erkannte der Dalai Lama in dem sechsjährigen Chökyi Nyima die rechtmässige Reinkarnation, war sich jedoch gleichzeitig bewusst, dass der Junge und seine Eltern von nun an in grösster Gefahr schwebten, zumal die chinesische Regierung schon längst einen eigenen, ihr genehmeren Kandidaten, präsentiert hatte. Um das Leben des Jungen nicht zu gefährden, fasste der Dalai Lama eine Plan und die Autorin Isabel Hilton, die eigentlich nur ein Interview mit dem Dalai Lama führen wollte, wurde zufällig zu einem wichtigen Akteur dieses Planes. Ohne viel von der Spannung des Buches nehmen zu wollen, muss man leider vermerken, dass der Plan des Dalai Lama fehlschlug, Chökyi Nyima und seine Eltern von den Chinesen verschleppt wurden und es seither kein Lebenszeichen mehr von ihnen gibt.
Isabel Hiltons Tatsachenbericht ist spannend wie ein Krimi und gibt nebenbei tiefe Einblicke sowohl in den tibetischen Buddhismus und die Kultur Tibets, als auch in die grausamen Praktiken der chinesischen Unterdrückung. Praktiken, die sicherlich realer sind, als die vage Hoffnung, die führende deutsche Politiker bezüglich eines wirtschaftlichen Aufschwungs in Deutschland durch gute Beziehungen zu China hegen und infolgedessen das politische Unrecht in Tibet, fünfzehn Jahre nach dem Massaker auf dem "Platz des himmlischen Friedens", lieber vergessen machen würden.
 
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