ERWIN WICKERT : John Rabe, der gute Deutsche
von Nanking
DVA
Im Dezember 1937 eroberten japanische Truppen nach kurzem Kampf
die chinesische Hauptstadt Nanking. Dies war der Beginn
eines unvorstellbaren Massakers, dem in kurzer Zeit Hunderttausende
zum Opfer fielen und das im Westen relativ unbekannt blieb. Zu dieser
Zeit leitete der Hamburger Kaufmann John Rabe die Siemens-Filiale
in Nanking. Rabe hatte den grössten Teil
seines Lebens in China verbracht und war selbst NSDAP-Mitglied,
allerdins eher aus Opportunismus, als aus Überzeugung, zumal
er in China ohnehin kaum über die politischen Entwicklungen
in Nazi-Deutschland informiert wurde. Die Loyalität sowohl
zu seiner Firma, als auch zu seinen chinesischen Angestellten und
auch sein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn hielten ihn schliesslich
davon ab, die Stadt, wie die meisten Europäer, zu verlassen.
Zusammen mit einigen anderen Europäern und Amerikanern gelang
es Rabe schliesslich von den Japanern die Einrichtung einer
Schutzzone zu erwirken, in der etwa 250 000 Menschen, trotz schlimmster
Bedingungen, wenigstens halbwegs vor den Gewalttätigkeiten
sicher waren und überlebten. Rabe kam als Deutschem
und somit formell Verbündetem der Japaner eine besondere Rolle
zu und tatsächlich gelang ihm die heute fast paradox
anmutende Tat, unter dem Schutz der Hakenkreuzfahne unzählige
Menschen zu retten. Auch Rabe selbst wurde mehrfach nur
von seiner demonstrativ getragenen Hakenkreuzbinde gerettet. Erwin Wickert, der Herausgeber dieses Buches, war lange
Zeit Botschafter in China und hatte Rabe als Student in
China noch vor den geschilderten Ereignissen kennengelernt. In diesem
Buch verbindet er die erst kürzlich gefundenen Tagebucheinträge
Rabes mit anderen zeitgenössischen Quellen und heraus
kommt ein eindringliches Dokument der Zivilcourage, aber auch der
politischen Verblendung, denn fast bis zum Ende war Rabe
der Überzeugung, dass "der Führer selbst" diese
Grausamkeiten unterbinden würde, wenn er nur von ihnen erführe.
Seine diesbezüglichen Appelle an Hitler führten,
nachdem er wieder nach Deutschland zurückgekehrt war, sogar
dazu, dass Rabe zeitweise in das Visier der GESTAPO geriet
und zum Stillschweigen über die gesehenen Ereignisse verpflichtet
wurde. Rabe starb 1950 in Berlin und kaum jemand in Deutschland
kennt seinen Namen. In Nanking erinnert eine Gedenktafel
an ihn.