Im
Jahre 2005, genauer gesagt am 30. April, jährt sich zum dreissigsten
Mal das Ende des Vietnam-Krieges. Ein Krieg, der nicht nur weite
Teile Südostasiens mit Zerstörung, Leid und Tod überzogen,
sondern auch Amerika nachhaltig traumatisiert hat. Dieses Trauma
offenbarte sich in letzter Zeit überdeutlich in dem Bemühen
der amerikanischen Regierung im Zuge des Irak-Krieges gerade jeden
Vergleich zum Vietnamkrieg zu vermeiden. Vietnam steht als Zeichen
für das Scheitern einer Grossmacht, aber nur wenige wissen,
dass der "amerikanische" Vietnamkrieg nur eine, wenn auch
ungemein blutige und tragische, Episode eines viel längeren
Konfliktes war, der auch mit dem Abzug der letzten Amerikaner aus
diesem kleinen Land noch nicht beendet war und dessen Folgen gerade
für die Bevölkerung in der Region noch immer tödlich
aktuell sind. Es schadet also nichts, angesichts der zum Jahrestag
zu erwartenden Aufarbeitungen der Ereignisse, etwas mehr über
die Hintergründe zu erfahren. Marc Freys Buch bildet
einen idealen Einstieg in die Materie. Relativ knapp, aber fundiert
und vor allem leicht zu lesen, werden die Ereignisse chronologisch
dargestellt, wobei Frey aber auch nicht darauf verzichtet,
auf die globalen Aspekte des Krieges einzugehen.
Auch versucht Frey, Dr. phil. und Mitarbeiter am Nordamerikaprogramm
der Uni Bonn, der vietnamesischen Sicht der Dinge und ihrer Ziele
genug Raum zu bieten. Auf eine abschliessende Bewertung der Ereignisse
verzichtet er jedoch und so ist sein Buch hervorragend geeignet,
um die entsprechenden Hintergrundinformationen zu bieten. Kritikpunkt
ist die spartanische Aufmachung des Buches. Zwei kleine Karten am
Ende sind sicherlich nicht ausreichend, um den Verlauf dieser längsten
militärischen Konfrontation des 20. Jahrhunderts angemessen
bildlich darzustellen. Ansonsten jedoch absolut informativ und lesenswert.
Wem
Marc Freys chronologische Betrachtung des Vietnamkrieges
zu nüchtern ausfällt, dem sei dieses Begleitbuch zur gleichnamigen
MDR-Dokumentation empfohlen. Der grösste Teil des Buches besteht
aus den Berichten von Zeitzeugen : Politikern, CIA-Agenten, hohen
Militärs, einfachen Soldaten und Zivilisten und vor allem kommen
beide Seiten ausführlich zu Wort. Den Autoren gelang es selbst
die ehemaligen Be-fehlshaber beider Seiten, General Westmoreland
und General Vo Nguyen Giap, vor ihre Mikrofone zu bekommen.
Aus der Gesamtheit dieser einzelnen, naturgemäss subjektiven,
Berichte und Aussagen ergibt sich für den Leser schliesslich
ein vielschichtiger Blick auf die Ereignisse und die menschliche
Seite der ganzen Tragödie tritt hervor. zum besseren Verständnis
gibt es immer wieder Erklärungen, die die Augenzeugenberichte
in den richtigen historischen Kontext stellen. Daneben gibt es noch
ein paar ausgewählte Fotografien.
Beide genannten Bücher ergänzen sich ideal, um eventuelle
Wissenslücken zu schliessen und sich ein eigenes Bild über
diesen Krieg zu machen, dessen Folgen, wie schon gesagt, auch heute
noch in der täglichen Weltpolitik spürbar sind.