Ich geb es zu : Spätestens als ich auf einer Toilette in irgendeinder
Bar in Bangkok die reisserische Werbung für Christopher
G. Moores Bücher gelesen hatte, war ich sehr voreingenommen.
Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, diese Bücher von vornherein
schlecht zu finden und wollte eigentlich auch nie eines davon lesen.
Nun habe ich doch eines gelesen und muss meine Meinung doch revidieren,
denn sooo schlecht ist das vorliegende Buch gar nicht. Moores Held ist der New Yorker Ex-Cop Vincent Calvino,
der sich als Privatdetektiv in Bangkok durchschlägt. Im vorliegenden
Fall soll er Leibwächter für einen amerikanischen Anwalt
spielen, der eine grosse Nummer im Internet-Sexgeschäft ist.
Nachdem Calvino und sein Schützling mehrere Mordanschläge
nur knapp überleben, stellt sich heraus, dass hinter der Intrige
viel mehr steckt, als nur Prostitution. Soweit so gut. Mehr will
ich nicht verraten, obwohl die Aufklärung des Falles wiederum
auch nicht sooo unvorhersehbar ist.
Zugegeben : Die Story ist etwas arg konstruiert, die Charaktere
flach und ärgerlich ist vor allem, dass Moore, der
selbst in Bangkok lebt, kaum eines der althergebrachten Klischees
auslässt.
Für Leser, die sich halbwegs in Bangkok auskennen und mit Thailand
vertraut sind, hat Moore nicht sehr viel Neues zu bieten, zumal
die Geschichte so auch genausogut in Singapur, Moskau oder Hamburg
spielen könnte. So passt es auch ins Bild, dass Calvinos
thailändischer Freund Pratt ständig Shakespeare
zitiert. Dies ist halt der Kulturkreis, indem Moore sich
auskennt.
Trotzdem kann ich nicht leugnen, dass das Buch spannend geschrieben
ist und ich es ziemlich in einem Rutsch durchgelesen habe. Gerade
wenn man sich in Bangkok etwas auskennt, macht es doch Spass, wenn
man schon keine neuen Orte kennen lernt, zumindest bekannte wiederzuerkennen.
Klischees hin, Klischees her. Und auch wenn Moore Probleme
hat, sich in die Gedankenwelt der Thais hineinzuversetzen, gelingt
ihm doch eine relativ gute Beschreibung der Farangs und jeder, der
schon öfter in Thailand war, wird sich sicherlich an die ein
oder andere Bekanntschaft erinnert fühlen.
Das Buch ist gute Unterhaltung. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Wer etwas über Thailand erfahren will, sollte ohnehin besser
zu einem Sachbuch, als zu einem Krimi greifen.