Obwohl erst 30 Jahre alt, ist dieses Buch schon jetzt ein Klassiker
und ich persönlich kann sagen, dass mich nur selten ein (Sach)buch
so gefesselt hat. Fritjof Capra, promovierter Teilchenphysiker,
erfuhr nach eigenen Angaben eine Art "Erleuchtungserlebnis",
als er sich neben seiner naturwissenschaftlichen Arbeit mit östlichen
Philosophien, wie dem Taoismus, dem Buddhismus und dem Hinduismus
beschäftigte und verblüffende Prallelen zwischen den Aussagen
dieser Philoso- phien und den Erkenntnissen der modernen Physik
entdeckte. Das Buch ist in drei Abschnitte unterteilt. Das erste
Kapitel beschreibt den Weg der Naturwissenschaft von den Erkenntnissen
der alten Griechen, die durchaus noch mathematische und wissenschaftliche
Studien in einem religiös/philosophischen Kontext sahen, bis
zum Status Quo der modernen Physik. Irgendwann ging dann im Verlaufe
der Geschichte die Verbindung zwischen "reiner" Naturwissenschaft
und der Philosophie, zumindest in der westlichen Welt, verloren
Erst die moderne Physik, deren Erkenntnisse die Grenzen des menschlichen
Geistes schon längst überschritten haben, verlangen geradezu
nach einem philosophischen Überbau und Capra zeigt
auf, dass dieser Überbau in der östlichen Philosophie
eigentlich schon immer da war.
Im zweiten Teil beschreibt Capra den Weg der "östlichen",
mystischen Philosophien und beschreibt einige ihrer Grundsätze,
wobei er durchaus auch europäische und andere Gedankenmodelle
miteinbezieht.
Im dritten Teil zieht er schliesslich Parallelen zwischen den, angeblich
so unterschiedlichen Ansätzen und tatsächlich passen die
Teile zusammen !!
Es ist schon verblüffend, wie sich allein die Äusserungen
berühmter Wissenschaftler wie Bohr, Heisenberg
und Einstein denen "östlicher" Philosophen
und Denker ähneln. Teilweise ist es unmöglich bestimmte
Aussagen nur aufgrund ihres Inhaltes dem einen oder anderen Gedankenmodell
zuzuordnen. Auf der anderen Seite sollte dieses aber auch eigentlich
nicht verwundern, versuchen doch beide nur diese eine Welt zu beschreiben,
sollten die Wege dahin auch verschieden sein.
Um es klar zu sagen : Hier geht es nicht um Esoterik, sondern um
ein gemeinsames Verständnis der Welt, zu dem jedes "Lager"
seinen Beitrag leisten kann. Man merkt schnell, dass Capras
Metier eigentlich die Physik ist und hier liegt auch sein Fokus.
Das Buch dürfte also für naturwissenschaftliche Laien
keine leichte Kost sein, obwohl es Capra sehr gut gelingt,
naturwissenschaftliche Zusammenhänge recht einfach und ohne
Formeln darzustellen. Wer jedoch ein wissenschaftliches Grundverständnis
mitbringt, wird keine Probleme haben, Capra zu folgen und
kann leicht selbst die Parallelen erkennen. Mich zumindest hat das
Buch dazu gebracht, selbst mal wieder einige Formeln nachzuschauen
und selbst nachzurechnen und auch in einem anderen Licht zu sehen.